„Böse“ Nahrungsergänzungsmittel?

„Böse“ Nahrungsergänzungsmittel?

Kürzlich sendete die ARD unter dem Titel „Armee der Heilsbringer“ einen Rundumschlag gegen sämtliche „Nahrungsergänzungsmittel“. Mein Kollege Rene Gräber hat hierzu eine kompetente Analyse bzw. Erwiderung geschrieben, die ich gerne verlinke:

https://vitalstoffmedizin.com/blog/nahrungsergaenzungsmittel-stellungnahme/

Ich stimme ihm zu. Tatsächlich wird hier erneut gegen „Alternatives“ geschossen – und zwar nach dem üblichen Schema. Angebliche Experten äußern ihre Bedenken und führen dann Einzelfälle auf, in denen die Mittel geschadet oder nicht genützt hätten. (Ein Medikament wird zugelassen, wenn es den Placebo-Effekt der Kontrollgruppe um ein paar Prozent überschreitet und „überschaubare“ Nebenwirkungen hat…).

Offensichtlich lassen sich immer mehr investigative „Journalisten“ ihre Inhalte von Angehörigen der Skeptiker-Organisation diktieren oder von Experten, die auf der Gehaltsliste der großen Pharmafirmen stehen. Anders sind solche Rundumschläge nicht zu erklären. Nahrungsergänzungsmittel sind ja ein Ärgernis für viele Pharmaunternehmen, weil immer mehr Patienten auch auf „Natur“ setzen, als einseitig und bei allem auf Chemie, auch wenn das nicht immer funktioniert. Aber der Umsatz von Nahrungsergänzungsmitteln ist über die Jahre ständig gestiegen – und das macht sich schon bemerkbar.

Was ist inhaltlich davon zu halten? Richtig ist, dass Nahrungsergänzungsmittel – im Gegensatz zu Medikamenten – keine so genannte Zulassung benötigen. Sie gelten im Grunde als Nahrungsmittel und nicht als Medikamente. Wobei die Zulassung von Medikamenten offensichtlich auch nicht vor Risiken und Nebenwirkungen schützt – dafür gibt es ja eine Reihe von Beispielen, auch aus jüngster Zeit.

Richtig ist auch, dass Nahrungsergänzungsmittel – im Gegensatz zu Medikamenten – auch von Laien verkauft werden dürfen. Jeder kann einen „Laden“ für Nahrungsergänzungsmittel aufmachen oder sie im Internet anbieten. Das bringt natürlich unbestritten Risiken mit sich, speziell, wenn man gar nicht weiß, wo und wie die Mittel hergestellt worden sind. Ich bevorzuge daher in der Regel Produkte deutscher Hersteller, die hier den gesetzlichen Bestimmungen unterliegen. Die sind oft nicht die billigsten, aber der Preis sollte hier nicht der entscheidende Faktor sein.

Generell sollte man nicht einfach „irgendwas“ schlucken, ohne sich zu informieren, was drin ist – und wozu es gut sein soll. Und mit informieren meine ich nicht, die Seiten von Versendern oder Vertriebspartnern (Network Marketing, MLM) zu lesen, denn da wird oft das Blaue vom Himmel versprochen, auch wenn das eigentlich verboten ist. Aber wenn der Versender im Ausland sitzt…

Ich überprüfe beispielsweise generell die Blutspiegel an Vitaminen, bevor ich Patienten empfehle, bestimmte Vitamine einzunehmen. Vitamine in Megadosen zu schlucken macht schlicht keinen Sinn, im dümmsten Fall schadet man sich damit, ansonsten produziert man einfach „teuren Urin“, weil der Organismus den Überschuss ausscheidet.

Auch bei anderen pflanzlichen Extrakten sollte man nicht einfach zugreifen, sondern sich von Fachleuten beraten lassen. Das sind in der Regel nicht die Freunde, die einem begeistert von den Wundermitteln der Firma XY vorschwärmen, die sie gerade erst kennengelernt haben, aber ganz toll finden. Und es ist – leider – oft auch nicht der Hausarzt, weil der meist wenig Ahnung von Nahrungsergänzungsmitteln hat, denn das hat er im Studium nicht gelernt. Manche Nahrungsergänzungsmittel sind sehr sinnvoll und nützlich, beispielsweise zur Verlangsamung von Alterungsprozessen, zum Erhalt der Knochenstruktur und Gelenke oder auch als nutritive Vorbeugung gegen verschiedenste Erkrankungen. Aber Wundermittel sind auch das alles nicht. Gerade Mittel zur Vorbeugung muss man oft langfristig nehmen, damit sie etwas bewirken – und ein Mittel zum Erhalt ewiger Jugend hat auch noch keiner gefunden.

Die Folgen einer ungesunden Lebensweise mit Fastfood oder industriellen Fertigprodukten, zu wenig Bewegung, permanentem Stress, Rauchen oder zu viel Alkohol, können auch nicht durch die Einnahme von noch so vielen Nahrungsergänzungsmitteln ungeschehen gemacht werden.

Der ARD-Bericht bestätigt aber einen Trend, der sich in den letzten Jahren immer stärker zeigt: Die Alternativen sollen weg. Die Patienten sollen gefälligst bei der Hochschulmedizin bleiben und das tun bzw. nehmen, was die Leitlinien empfehlen (die wiederum von denen festgelegt werden, die direkt oder indirekt von der Industrie gesponsert werden. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.)

Die Heilpraktiker sollen von der Bildfläche verschwinden, weil sie den Ärzten ins Handwerk pfuschen. Die Homöopathie soll weg, weil sie angeblich die Leute von „richtiger Medizin“ abhält. Die Nahrungsergänzungsmittel sollen weg, weil sie mit Medikamenten konkurrieren und natürlich „unnötig“ sind.

Kurz, der Patient soll schlicht keine Wahl mehr haben…

Falls Sie sich jetzt fragen, was SIE selbst tun können, um sich ihre Therapieoptionen für die Zukunft zu erhalten, gibt es nun eine weitere Möglichkeit. Die Carstens-Stiftung „Natur und Medizin“, sowie der „Sebastian Kneipp-Bund“ haben eine Bürger*innen-Bewegung gestartet, mit dem Titel „Weils hilft!“. Dort kann man mitmachen.

Siehe: https://www.naturundmedizin.de/weils-hilft.html

Kennen Sie eigentlich den „Codex Alimentarius“? Das ist eine Veröffentlichung der EU-Kommission (eigentlich sind es mehrere), die Richtlinien für Nahrungsmittel – auch Nahrungsergänzungsmittel – erarbeiten soll. Dabei sollen auch Obergrenzen beispielsweise für Vitamine festgelegt werden – natürlich nach den „Erkenntnissen der Hochschulmedizin“. Für viele Nahrungsergänzungsmittel wäre das das Aus, denn sie würden praktisch wirkungslos (was im Sinne des Gesetzgebers ist, denn Nahrungsmittel dürfen – so die Definition – keine Wirkungen haben. So jedenfalls steht es im Arzneimittelgesetz). Es ist aber noch viel mehr im Busch. Beispielsweise soll niemand mehr – auch nicht Journalisten – über „Wirkungen“ von Naturstoffen, die keine apothekenpflichtigen Medikamente sind (das gilt für die meisten) sprechen oder schreiben dürfen. Anders gesagt, wer beispielsweise sagt, die Pflanze X helfe gegen Rheuma, macht sich strafbar.

Derzeit sind die Gegner der Alternativmedizin – und natürlich auch der Heilpraktiker – recht aktiv und wir müssen reagieren, sonst wird es bald keine Alternativen mehr geben.

„Böse“ Nahrungsergänzungsmittel?