Vitamin D ist lebensnotwendig

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es im Gegensatz zu anderen Vitaminen vom Körper selbst gebildet werden kann. Aus diesem Grund ist Vitamin D kein Vitamin im eigentlichen Sinne, sondern wird eher zu den Hormonen gerechnet. Nur ein kleiner Teil des Vitaminbedarfs wird über die Nahrung gedeckt. Das fettlösliche Vitamin D ist an einer Reihe von Stoffwechselvorgängen beteiligt.

Versorgung des Körpers mit Vitamin D

Vitamin D wird beim Menschen zum größten Teil unter Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet, die Aufnahme über die Nahrung hat nur einen geringen Anteil an der täglichen Versorgung.

Bildung in der Haut

80–90% des Bedarfs  wird mithilfe des Sonnenlichts vom Körper selbst produziert. Unter Einwirkung von UV-B-Strahlung wird aus einer Vorstufe (Provitamin D3) in der Haut das sogenannte Prävitamin D3 hergestellt. Dieses gelangt über den Blutkreislauf in Leber und Niere, wo es schließlich zur biologisch aktiven Form (Calcitriol) umgewandelt wird.

Um den Vitamin-D-Bedarf zu decken, ist es ausreichend, täglich rund ein Viertel der Körperoberfläche (Gesicht, Hals, Dekolleté, Teile von Armen und Beinen) für etwa 15 Minuten von der Sonne bestrahlen zu lassen. Die beste Tageszeit zur Vitaminproduktion ist zwischen 10 und 14 Uhr, wobei ein Sonnenbrand wegen des Hautkrebsrisikos unbedingt zu vermeiden ist. Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor über 20 blocken bis zu 95% der UV-Strahlung ab und verhindern damit die Bildung von Vitamin D.

In den Wintermonaten ist eine ausreichende Eigenproduktion  nicht immer gewährleistet. Das liegt zum einen daran, dass es im Winter insgesamt weniger Sonnenstunden gibt, und zum anderen daran, dass auch die Intensität der Sonneneinstrahlung viel geringer ist; es gelangt nicht genug UV-B-Strahlung zur Erdoberfläche, und der Winkel der Sonneneinstrahlung ist zu flach um ausreichend produzieren zu können. In Deutschland ist dies etwa von Oktober bis März der Fall.

Aufnahme über die Nahrung

10–20% des Bedarfs an Vitamin D werden über die Nahrung gedeckt, allerdings kommt das Vitamin nur begrenzt in Lebensmitteln vor. Am höchsten ist die Konzentration in fetten Fischsorten wie Aal, Lachs, Hering oder Makrele. Auch in Butter, Eiern und Leber ist Vitamin D zu finden, von den nicht-tierischen Lebensmitteln haben Speisepilze den höchsten Anteil.

Speicherung von Vitamin D

Vitamin D wird im Körper nicht sofort verbraucht oder abgebaut, sondern in der Regel für einige Monate gespeichert. Speicherorte sind Fett- und Muskelgewebe, geringe Mengen finden sich auch in der Leber. In den Wintermonaten tragen diese Speicher zur Versorgung bei und werden ab dem Frühjahr wieder aufgefüllt.

Welche Funktionen hat Vitamin D?

  • Darm: Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus der Nahrung
  • Knochen und Zähne: Einbau von Kalzium
  • Muskulatur: Versorgung mit Kalzium
  • Immunsystem: Differenzierung und Reifung von Abwehrzellen
  • Hormonsystem: Sekretion von Insulin, Herstellung Schilddrüsenhormone

Wie viel Vitamin D benötigt der Körper?

Für Kinder und für Erwachsene werden 20 Mikrogramm (800 Internationale Einheiten, IE) Vitamin D3 empfohlen. Es handelt sich hierbei um einen Schätzwert unter der Annahme, dass kein körpereigenes Vitamin D gebildet wird.

Für ältere Frauen und Männer über 65 Jahren zeigen Studien, dass erwünschte Effekte zur Prävention von Stürzen, Frakturen und vorzeitigem Tod mit einer Supplementierung von 10–20 Mikrogramm (400-800 IE) pro Tag erzielt werden konnten. Experten erachten demnach eine Zufuhr von Vitamin D ab diesem Alter in der Höhe von mindestens 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag für gerechtfertigt.

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D in der Schwangerschaft ist besonders wichtig, um die gesunde Entwicklung des Fötus‘ zu sichern – nicht nur hinsichtlich der Skelettentwicklung, sondern auch im Hinblick auf ein gesundes Wachstum und eine normale Entwicklung des ungeborenen Kindes. Studien konnten zeigen, dass die meisten Schwangeren zu wenig Vitamin D aufnehmen.

Auch in der Stillzeit ist ein guter Vitamin-D-Status wichtig, denn der Gehalt  in der Muttermilch hängt vom Vitamin-D-Status der Mutter ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Säuglinge im 1. Lebensjahr aber auf jeden Fall täglich 10 Mikrogramm (400 IE) (egal, ob sie gestillt werden oder nicht) in Form von Vitamin D-Supplementen zur Rachitisprophylaxe.

Zudem könnte ein guter Status bei Kinderwunsch helfen. Es gibt Hinweise, dass Vitamin D sowohl die weibliche als auch die männliche Fruchtbarkeit positiv beeinflussen kann.

Vitamin D-Mangel?

Da die Symptome einer Unterversorgung häufig sehr unspezifisch sind, kann eine sichere Diagnose nur über eine Blutuntersuchung gestellt werden.

Symptome eines Vitamin D-Mangels

Ein leichter Mangel – wie er in den Wintermonaten häufig vorkommt – äußert sich nur durch sehr unspezifische Symptome. Er wird daher in den meisten Fällen nur als Zufallsbefund festgestellt. Anzeichen eines Mangels können sein:

  • Infektanfälligkeit
  • schlechte Wundheilung
  • Müdigkeit
  • Leistungsabfall
  • schlechte Stimmung
  • Depression
  • Schlafstörungen
  • Knochen- und Rückenschmerzen

 

Symptome einer schweren Unterversorgung

Bei einer dauerhaften Unterversorgung kommt es abhängig vom Alter des Betroffenen zu schwerwiegenden Störungen des Knochenstoffwechsels.

Rachitis bei Kindern

Ein schwerer Mangel an Vitamin D macht sich bei Kindern bereits in den ersten zwei Lebensjahren bemerkbar. Charakteristisch für rachitische Veränderungen sind Verformungen der Knochen und des Schädels. Betroffen sind insbesondere die Knorpel-Knochen-Grenze im Bereich des Brustkorbs (rachitischer Rosenkranz), die Wirbelsäule (Skoliose) und die Gliedmaßen. Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und der Veränderungen im Blutbild. Auf dem Röntgenbild kann die Erkrankung durch unscharfe Knochenstrukturen und verbreiterte Enden an der Hand bzw. am Kniegelenk festgestellt werden.

Osteomalazie bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen äußert sich ein schwerer Mangel in einer Erweichung der Knochen, wodurch das Risiko für Osteoporose deutlich steigt. Typische Symptome sind Muskelschwäche und Knochenschmerzen.

Wie wird ein Vitamin-D-Mangel festgestellt?

Ein Mangel kann anhand einer Blutuntersuchung leicht festgestellt werden. Ausschlaggebend dabei ist die Serumkonzentration des sogenannten „25-Hydroxy-Vitamin D“.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat folgende Grenzwerte definiert:

  • Optimale Versorgung: über 30 ng/ml
  • Ausreichende Versorgung: 20–29 ng/ml
  • Mangel: 10–19 ng/ml
  • Schwerer Mangel: unter 10 ng/ml
  • Obergrenze: 100 ng/ml
  • Toxisch: über 150 ng/ml

Bitte beachten Sie hier jedoch evtl. abweichende Einheiten verschiedener Labore bzw. Darstellungen.

Vor eigenständiger Einnahme eines Vitamin D-Präparates empfehle ich auf jeden Fall eine Beratung beim Arzt oder Heilpraktiker und eine Bestimmung des Spiegels im Blut, verbunden mit einem Blutbild. Nur so kann eine Beurteilung der Versorgungssituation stattfinden und eventuell notwendige Schritte eingeleitet werden. Da Vitamin D zu den fettlöslichen Vitaminen gehört, wird ein „Zuviel“ nicht einfach mit dem Harn ausgeschieden, sondern im Körper gespeichert. Aus diesem Grund ist einen Überdosierung mit schwerwiegenden Folgen in diesem Fall durchaus möglich.

Vitamin D ist lebensnotwendig